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Wie heutiger Medienkonsum krank machen kann



Die meisten von uns wissen natürlich, dass die Medien heute nicht mehr das sind, was sie einst waren. Der Anstand vergangener Zeiten sowohl in der westlichen als auch in der östlichen Hemisphäre sowie die Ideale auf Basis von denen Journalisten einst gearbeitet und mit welchen im Sinne, sie ausgebildet wurden, sind eine ferne Erinnerung über die niemand mehr genau weiß ob Sie der Wirklichkeit entsprach oder eher nur eine ideologisierte Form von falscher Nostalgie darstellt.

Noch nicht genug von uns wissen jedoch, dass Medien nicht nur Träger von Information sind, sondern zur Architektur des kollektiven Bewusstseins maßgeblich beitragen. Und wenn wir die psychischen und sozialen Pathologien unserer Gegenwart analysieren, lässt sich unabhängig von dem Wahrheitsgehalt nostalgischer Reflektionen eine fundamentale Verschiebung der Medienwirkung im Zusammenhang mit politischen und gesellschaftlichen Themen beobachten.

Nietzsche ließ vor etwas mehr als einem Jahrhundert seinen Zarathustra sagen: "Daß jedermann lesen lernen darf, verdirbt auf die Dauer nicht allein das Schreiben, sondern auch das Denken" sowie "von allem Geschriebenen liebe ich nur das, was einer mit seinem Blute schreibt. Schreibe mit Blut: und du wirst erfahren, daß Blut Geist ist."

Neben der Tatsache, dass es heute kaum noch Anstand in der Medienlandschaft gibt, der in romantischen Reflektionen natürlich einst der conditio sine qua non für journalistische Tätigkeit war, geht es nun auch inhaltlich vordergründig längst nicht mehr um sinnvolle Diskurse und pointierte Meinungen. Es scheint in fast allen Medien eine neue Norm gebildet worden zu sein, im Rahmen von der Informationen seziert, zugespitzt und emotional aufgeladen werden, was in der Breite der Bevölkerung pathogen wirkt: Medien beginnen Menschen psychisch krank zu machen.

Der Journalismus scheint zunehmend an den Bruchlinien menschlicher Urängste und Abwehrmechanismen zu funktionieren. Er schreibt, wie Nietzsche es durch Zarathustra forderte, mit Blut, aber statt den Geist und das Ich zu stärken und rationale Diskursräume zu eröffnen, bedienen viele Medien Narrative, die zu Regressionen in paranoide und narzisstische Strukturen führen. Es wird ein permanenter Zustand des Alarms, des Ressentiments und der existenziellen Bedrohung inszeniert. Es brennen in den Gehirnen der Menschen ihre Amygdalas und ihre tiefsten emotionalen Strukturen.

Diese gezielte Affektstimulation führt bei vielen Rezipienten zu einer chronischen psychischen Überforderung – einer kollektiven Neurotisierung, die Angststörungen, Depressionen und tiefe gesellschaftliche Entfremdung nährt. Der Geist vieler verblutet...

Ich frage mich zunehmend, wie sich dies mit der Verantwortung einer freien Presse vereinbaren lässt.

Wenn das „Worüber“ und das „Wie“ der Berichterstattung die psychosomatische Integrität der Bürger zersetzt, kollabiert der demokratische Debattenraum. An seine Stelle tritt ein pathologisches Klima der Angst und Spaltung. Es scheint mir, wir müßten dringend einen neuen Rahmen setzen innerhalb von dem die Presse frei sein darf, einen Rahmen der psychische Gesundheit zusichert und zugleich die Pluralität von Meinungen zulässt. Zur Erinnerung: einst war es ja verboten zu fluchen in den Medien und das schien so selbstverständlich...

Bevor wir politisch soweit sind, lohnt es sich sowohl Lesern als auch inhaltlich Verantwortlichen in Medienorganisationen jeweils eine radikale Frage zu stellen. Wollen Sie, als Leser, dass Ihre Innenwelt verblutet wegen Nachrichten, die Sie wiederholt konsumieren und anfangen fest zu glauben, konsumieren zu müssen, dabei gibt es wirklich nur eines, dass jeder von uns wirklich muss und dies ist es zu sterben? Und aporpos Sterben, wollen Verantwortliche für die Inhalte, wenn sie dereinst am Todesbett sind und auf Ihr Lebenswerk zurückblicken – wollen Sie unsere gemeinsame Welt wirklich mit dem Bewusstsein verlassen, einer krankheitserregenden Lebenswelt mit ihren Inhalten beigetragen zu haben? Wollen diese, dass ihr bleibender Beitrag zur Conditio humana in der Unterstützung der Destabilisierung der seelischen Gesundheit von Millionen Menschen bestand?

Ich bin nachdenklich und besorgt, zugleich aber auch entspannt. Diese Dinge müssen ja noch von vielen gelernt und verstanden werden, bevor wir gesellschaftlich dazu übergehen Freiheit und Verantwortung nur noch zusammen zu denken, ja auch im wirtschaftlichen Sinne - Erhöhung der Verkaufszahlen wird ja oft als billiges Argument verwendet - als zwei Seiten einer Münze.