Gesunde selbstgemachte Süßigkeiten
Seit ich 40 geworden bin, denke ich zunehmend an Cornaro. Ich schrieb bereits über ihn, er lebte vor 5 Jahrhunderten in Venedig, schrieb nach seinem 90. Lebensjahr seine Essays dazu wie man 100 Jahre alt wird und bewies seine Worte indem er 102 Jahre alt wurde.
Wir leben heute in einer anderen Zeit, in der es in unserer westlichen Zivilisation Nahrung im Überfluss gibt, welche allerdings zum leider großen Teil auf unzähligen Wegen verarbeitet wird um sie haltbarer zu machen, ästhetisch attraktiver, geschmackvoller usw. usw. - aus Nahrung sind heute Nahrungsprodukte geworden und diese müssen sich im Wettbewerb behaupten...
Es fällt dies zum Glück nicht nur Philosophen auf und eine zunehmende Anzahl von Menschen dreht diesen Entwicklungen den Rücken. Besonders interessant finde ich Menschen, welche große Gärten anlegen und bewusst entscheiden nur noch das zu essen, was sie selbst zubereitet haben. Viele fangen in Städten an, kaufen sich Lebensmittel in Läden und kochen bzw. backen bzw. erzeugen sich jede Mahlzeit und mit der Zeit suchen sie dann auch einen Weg aufs Land zu ziehen, legen dort einen großen Garten an und konsumieren Essen, welches sie selbst anbauen. Manche drehen auch Videos, teilen auf diese Weise ihre Rezepte und verdienen auch zusätzliches Geld.
Es gibt einen alten chinesischen Spruch der ungefähr sagt, willst du für einen Tag glücklich sein dann organisiere eine Feier, willst du für einen Monat gücklich sein dann heirate und willst du ein Leben lang glücklich sein, dann lege einen Garten an. Ich erwähne dies, weil ein Garten gleichzeitig drei Dinge für uns macht. Er gibt uns erstens eine mit ziemlich wenig Arbeit verbundene Nahrungsquelle, denn man muss die Erde umgraben und Pflanzen setzen und dann regelmäßig gießen und ein wenig dabei die Pflanzen pflegen und das wars schon. Den Rest machen die Pflanzen selbst und man erntet einfach ihre Erträge. Zweitens lernen wir unfassbar viel im Garten, denn Pflanzen unterscheiden sich, benötigen manchmal etwas unterschiedliche Habitate, bekommen auch Krankheiten und durchlaufen oft schneller als wir Menschen den Kreislauf des Lebens, von der Geburt bis zum Tod. So wird es drittens mit dem Garten nie langweilig, sofern wir uns an diesen gewöhnen, denn der Garten braucht uns und wir brauchen den Garten. Er braucht dabei auch unsere zerstörerische und nicht nur schöpferische Energie, denn wir müssen Unkraut jäten, d.h. solche Pflanzen zerstören, die unseren Nutzpflanzen Energie rauben. Auch zerstören wir am Ende der Saison alle unseren einjährigen Pflanzen und verwandeln sie in Kompost für das nächste Jahr. Auch die mehrjährigen sind natürlich irgendwann dran, auch die Gebüsche und Fruchtbäume, alles im Garten hat sein Ende und man erlebt bzw. gestaltet dieses oft selbst mit. Ohne den Gärtner kann der Garten nicht und mit der Zeit stimmt dann auch das umgekehrte.
Im Kern kann niemand von uns ohne Gärten, denn unabhängig davon ob und wie viel Fleisch wir essen, unsere Hauptnahrung bilden Pflanzen.
Was hat das alles nun mit gesunden selbstgemachten Süßigkeiten zu tun?
Nun ja, Süßigkeiten sind heute so omnipräsent in der westlichen Welt und neben ihnen auch der zusätzliche Zucker in einer Unzahl von Nahrungsmitteln (sind diese süßer, schmecken sie besser, verkaufen sich besser), dass wir alle anfangen von diesem praktisch abhängig zu werden. Natürlich ist nahezu jede Art von Nahrung eine Art Zucker - denn was bedeutet der Begriff Zucker im Kern, wenn nicht eng konzentrierte Energie - aber zu viel von diesem macht uns fett und krank.
Süßigkeiten ganz abzustellen, das haben viele versucht, und das klappt in den allermeisten Fällen einfach nicht. Auch ich habe es versucht und bemerkte, dass dies völlig sinnlos ist. So fand ich meine Lösung in gesunden selbstgemachten Süßigkeiten. Ich beschloss keine Süßigkeiten mehr zu essen, außer solche die ich selbst mache und kann seit dem sowohl beruhigt Süßigkeiten essen als auch eine ganze Sphäre selbstgemachter Nahrung zum Teil meines Lebens machen.
Bald reift auch unsere Siam-Kürbis im Garten und ich werde den Kindern vorschlagen die berühmte Engelshaar Marmelade aus ihr zu machen.
