5 min

Die FDP ist Tod? Nein, sie kann nicht sterben, denn ein Phönix stirbt nie.


Dies ist ein Brief an meine liberalen Parteifreundinnen und Parteifreunde in Verbindung mit meiner Kandidatur für das Präsidium des Landesvorstands der FDP Baden-Württemberg.


----

Liebe Parteifreundinnen, liebe Parteifreunde,

wir stehen in Balingen nicht vor einer gewöhnlichen Vorstandswahl. Wir stehen vor den Trümmern einer Epoche, mit verbrannter Asche in den Händen. Zum zweiten Mal in der neueren Geschichte sind die Liberalen aus dem Parlament geflogen und als das geschah, trat ich in ein. Wer vor Ihnen jetzt glaubt, ein paar neue Plakate und die alten Phrasen würden unsere FDP retten, hat die Tragik der Lage nicht begriffen.

Der weltweit bekannte deutsche liberale Denker Max Weber, dessen Werke ich in London studierte, sprach vom „stahlharten Gehäuse der Hörigkeit“ – einem bürokratischen Staat, der den Bürger erstickt und ihm die Luft zum Atmen, zur sprituellen und individuellen Freiheit nimmt. Er hat sehr viel Gutes geleistet als Liberaler in Deutschland, aber genau ihm misslang es die Zerstörungslust im Menschen zu verstehen und er schrieb den Artikel 48 ins Grundgesetz, der später derb missbraucht wurde. Wir kennen heute aber die Zerstörungslust und auch sehen wir im Jahr 2026, was in unserem Land geschieht. Die ausufernde Bürokratie, der lähmende Steuerstaat, das tiefe Misstrauen gegen nahezu jeden, der etwas aufbauen will, den radikal werdenden, opportunistischen und Ideenlosen Nationalismus – das ist der Chaos im stahlharten Gehäuse unserer Gegenwart.

Ich bin nun unter Ihnen, als ein Liberaler unter vielen, nicht nur, weil ich an unsere Ideen glaube, sondern weil ich diesen noch tatkräftiger beitragen will. Die Liberalen dürfen sich nicht länger aufreiben lassen. Wir werden gemeinsam lernen, unsere Prinzipien klug mit Realpolitik zu verbinden, denn das ist möglich. Wir müssen dafür nur eine Sache tun: diesen Moment des tiefen Einschnitts annehmen – um aus der Asche, wie ein Phönix, gemeinsam mit neuem Feuer aufzuerstehen.

Mein Name ist Milutin Stanisavljević. Ja, dieser Name klingt nicht nach altwürttemberger Honoratioren. Aber mein Name und meine Biografie stehen für das reinste, unverfälschte Versprechen des Liberalismus. Mein Vorname bedeutet „der Sanfte“, mein Nachname „der Ruhmerzeuger“, ich habe sie nicht gewählt, aber bin bemüht beiden gerecht zu werden.

Als 13-Jähriger versteckte ich mich im Keller vor NATO-Bomben, die auf Serbien fielen. Wenige Tage nach unserer Flucht nach Deutschland sah ich im Fernsehen in Stuttgart, wie eine Bombe 50 Meter neben unserem Familienhaus einschlug. Ich weiß, was Traumata sind. Ich weiß aber auch, wie man sie überwindet. Ich habe mein Abitur am Schickhardt-Gymnasium Stuttgart abgelegt, in London Politik und in Erlangen Philosophie studiert. Ich habe insgesamt 20 Jahre auf internationaler und 10 Jahre auf Bundesebene gearbeitet und theoretisch, wie praktisch gelernt, Systeme zu analysieren, Konflikte zu verstehen, aber auch Aufbrüche und Aufbau. Ich habe gelernt: Freiheit ist kein Geschenk des Staates, sondern das Fundament der Menschenwürde.

Schon während eines Schüleraustauschs in den USA habe ich die amerikanische Marktliebe erforscht. Seither wirkte ich auch selbst auf dem Markt und trug das unternehmerische Risiko. Mit meinem Projekt „Kindern lernen Markt“ habe ich ein philosophisch-politisches Wirtschaftskonzept entwickelt, das Kindern die Soziale Marktwirtschaft durch direkte Praxiserfahrung nahebringt. Nach einem erfolgreichen Piloten bereite ich nun die wissenschaftliche Absicherung vor, um das Konzept an Schulen im In- und Ausland zu bringen.

Als Schöffe am Amtsgericht kenne ich den Wert der Justiz. Sie trennt die Spreu vom Weizen – nicht nach Hautfarbe, Religion oder Herkunft. Sie unterscheidet streng meritokratisch nach dem menschlichen Verhalten: Trägt jemand zu unserer Gesellschaft bei oder schädigt er sie? Beitragendes Verhalten wird belohnt, schädigendes sachgerecht bestraft. Diese gelebte, auf Menschenwürde basierende Meritokratie habe ich hier in Baden-Württemberg gelernt. Nicht in England, nicht in den USA. Hier lernte ich, dass das Individuum auf dem Prüfstein steht und nicht verschiedene Kollektive. Jede erfolgreiche Organisation und Gesellschaft ist deshalb erfolgreich, weil sie schädigendes Verhalten eingrenzt, während sie beitragendes Verhalten belohnt. So bleibt die Menschenwürde in Takt, denn jeder Mensch kann lernen, sein Verhalten zu ändern.

Der deutsche Liberalismus blieb immer dann in der Hoffnung zurück, wenn er als Partei abgehobener Eliten wahrgenommen wurde. Theodor Heuss hat nach 1945 gezeigt, wie es anders geht: Er ging als „Papa Heuss“ zu den Menschen, hörte zu und erdete die Freiheit im Alltag der Bürger. Viele von uns sind Papas und Mamas zu Hause, wir erziehen und bilden unsere Kinder, meine Gattin und ich haben alleine an der Front schon sehr viel zu tun, als Eltern von nicht zwei, nicht drei, sondern vier Kindern.

Wir müssen jetzt aber, wie Heuss einst, auch unter die Menschen! Wir werden zum Phönix nur wenn wir die Partei der Schöpfer und Aufsteiger werden. Wir müssen den Kreisverbänden, dem Handwerk, dem Mittelstand und den Gründern zeigen: Wir sind eure Stimme gegen die Bevormundung. Wir wollen auf Augenhöhe arbeiten, nicht beherrschen. Mit Künstlicher Intelligenz können wir die Bürokratie jetzt massiv reduzieren und unsere Gesellschaft wieder in eine humane Leistungsgesellschaft verwandeln.

Denn eines ist klar: Wird Deutschland einfach zum Land der Erben, so wird Deutschland ST-ERBEN!

Liebe Freundinnen und Freunde, niemand hat je mit einem Text und einer Rede alles adressiert und gelöst, darum geht es gar nicht. Wir adressieren und lösen Dinge gemeinsam. Dafür müssen wir jetzt zuerst aber das Gehäuse der Agonie aufbrechen. Haben wir den Mut, uns neu aufzustellen – intellektuell geschärft, prinzipientreu und unbestechlich. Ich wiederhole - intellektuell geschärft, prinzipientreu und unbestechlich!

Überall wo Menschen bereit sind zivilisiert zu streiten für die Freiheit, dort lebt der Liberalismus und dort wird er leben.

Deshalb noch etwas, meine liberalen Freundinnen und Freunde: Lernt verdammt noch mal meinen vollen Namen: Milutin Stanisavljević. Gebt euch den Ruck! Wer Neues lernt, bleibt jung. Vielleicht stimmt es, dass viele Menschen bis zum Tod dasselbe denken und dann sterben. Die Liberalen gehören aber definitiv nicht zu solchen Menschen, nein!