Die Expressdebatte
DIE EXPRESS-DEBATTE
Debattenformat für Stammtische, politische Gruppen, Vereine, Schulen und Bürgergespräche. Ich nenne sie Express-Debatte, aber wer möchte kann sie auch nach mir, als ihrem Erfinder, nennen, also die "Milutin-Debatte".
Ihr Ziel liegt darin Menschen durch gute Gründe, klare Sprache und fairen Umgang schnell komplexe Themen zu behandeln.
Es wird zwei Mal abgestimmt, vor und nach der Debatte. Vor der Debatte kann mit "Ja" oder "Nein" oder "Unentschlossen" abgestimmt werden, nach der Debatte jedoch nur mit "Ja" oder "Nein".
GRUNDIDEE
ratie ist schon lange nicht mehr nur Abstimmung. Demokratie, in unserer heutigen Zeit, basiert auf Grundrechten festgehalten in Verfassungen und sie basiert auf republikanischen Urzielen, die Politik als Sache der Öffentlichkeit zu begreifen (res - Sache; publicas - Öffentlichkeit). Die Fähigkeit, öffentlich Gründe für Meinungen auszutauschen, einander zuzuhören und der Wille die eigene Meinung durch bessere Argumente zu verändern, das sind Grundsätze eines demokratischen Lebens. Demokratie ist dabei insbesondere die Fähigkeit zu Mehrheitsentscheidungen durch Abstimmungen zu kommen ohne dass dabei die Seite, welche eine Abstimmungen verliert, von zukünftigen Abstimmungen ausgeschlossen wird. Die moderne Demokratie als System macht schließlich im Kern aus, dass alle Menschen in ihr stets dabei bleiben und nach gemeinsamen Entscheidungen, die gemeinsame Zukunft teilen, unabhängig davon wofür jeweilige Mehrheiten eintreten.
Die Express-Debatte ermöglicht es Demokratie, im wahrsten Sinne dieses Wortes, in kleinen und großen Gruppen, zu leben:
Eine Frage. Zwei Seiten. Kurze Reden. Publikum. Abstimmung vorher und nachher. Die Mehrheit gewinnt.
ABLAUF
- Debattenleitung
Zu Beginn wird eine Debattenleiterin oder ein Debattenleiter bestimmt.
Die Debattenleitung nimmt nicht selbst an der Debatte teil und stimmt nicht ab.
Ihre Aufgabe ist:
- die Regeln zu erklären,
- die Frage sauber zu formulieren,
- auf Redezeiten zu achten,
- Fairness zu sichern,
- die Abstimmungen zu zählen,
- das Ergebnis festzustellen.
Die Debattenleitung ordnet den Raum, entscheidet aber nicht inhaltlich.
2. Themenvorschläge
Alle Anwesenden können Themen für die Debatte vorschlagen.
Ein Thema muss als Frage formuliert sein, die mit Ja oder Nein beantwortet werden kann.
Beispiele:
- Sollen Universitäten mehr öffentliche Bildungsformate anbieten?
- Soll Stuttgart autofreie Sonntage ausprobieren?
- Soll wirtschaftliche Bildung früher in Schulen vermittelt werden?
- Soll es bei politischen Stammtischen regelmäßig Debatten nach festen Regeln geben?
- usw.
Die Debattenleitung kann unklare Vorschläge sprachlich glätten.
3. Auswahl der Debattenfrage
Die Debattenleitung stellt bis zu drei geeignete Fragen zur Auswahl.
Die Anwesenden stimmen per Handzeichen ab, welche Frage debattiert wird.
Gewählt ist die Frage mit den meisten Stimmen.
4. Anfangsabstimmung
Vor Beginn der Debatte wird die gewählte Frage erstmals gestellt, z. B. soll wirtschaftliche Bildung früher in Schulen vermittelt werden?
Alle Anwesenden stimmen transparent per Handzeichen ab:
- Ja
- Nein
- Unentschlossen
Die Debattenleitung notiert die Zahlen.
Eine Debatte findet statt, wenn es auf beiden Seiten eine ernsthafte Position gibt.
Richtwert: Mindestens ca. 25 Prozent der Anwesenden sollten auf der kleineren Seite stehen. Bei kleinen Gruppen genügt auch eine kleinere Minderheit, wenn zwei Personen bereit sind, diese Position fair zu vertreten.
Wenn fast alle einer Meinung sind, kann die Debatte entfallen oder die Frage neu formuliert werden.
5. Teams
Es gibt zwei Teams:
- Team Ja
- Team Nein
Jedes Team besteht aus zwei Personen.
Man muss nicht zwingend seine private Meinung vertreten. Es ist erlaubt, probeweise eine Position einzunehmen, um das Denken zu üben.
Wenn sich mehr als zwei Personen pro Seite melden, bestimmt die jeweilige Seite ihre zwei Rednerinnen oder Redner.
6. Eröffnungsrunde
Jede Person hält eine kurze Eröffnungsrede von maximal 2 Minuten.
Reihenfolge:
- Team Ja, Person 1 — 2 Minuten
- Team Nein, Person 1 — 2 Minuten
- Team Ja, Person 2 — 2 Minuten
- Team Nein, Person 2 — 2 Minuten
In dieser Runde gibt es keine Unterbrechungen.
7. Replikrunde
Danach folgt eine Replikrunde.
Jede Person hat maximal 1 Minute.
Reihenfolge:
- Team Ja, Person 1 — 1 Minute
- Team Nein, Person 1 — 1 Minute
- Team Ja, Person 2 — 1 Minute
- Team Nein, Person 2 — 1 Minute
In dieser Runde darf die sprechende Person freiwillig einen kurzen Hinweis aus dem Publikum zulassen. Ein solcher Hinweis darf maximal 30 Sekunden dauern und muss eine relevante Information enthalten.
Die sprechende Person muss das Wort nicht erteilen.
8. Publikumsrunde
Anschließend darf das Publikum Fragen stellen.
Dauer: maximal 10 Minuten.
Regeln:
- Fragen aus dem Publikum dauern maximal 20 Sekunden.
- Antworten dauern maximal 1 Minute.
- Debattenleitung achtet darauf, dass aus Fragen keine Reden werden.
- Wer eine lange Stellungnahme abgibt, wird freundlich gebeten, eine konkrete Frage zu formulieren.
9. Schlussrunde
Jedes Team erhält ein Schlusswort von maximal 1 Minute.
Reihenfolge:
- Team Ja — 1 Minute
- Team Nein — 1 Minute
Im Schlusswort sollen die stärksten Argumente noch einmal knapp zusammengeführt werden.
10. Schlussabstimmung
Die Debattenleitung stellt dieselbe Frage erneut.
Alle Anwesenden stimmen wieder per Handzeichen ab:
- Ja
- Nein
Die Mehrheit gewinnt. Festgehalten wird auch meisten Zuwachs erzielt hat, also wer den größten Resonanzerfolg hatte.
GEIST DER EXPRESS-DEBATTE
Die Express-Debatte ist kein Kampf um Demütigung des Gegners.
Sie ist ein demokratisches Spiel.
Die Grundregeln lauten:
- fair sprechen,
- knapp sprechen,
- verständlich sprechen,
- zuhören,
- Argumente vorstellen,
- auf Argumente der Gegenseite antworten,
- nicht persönlich angreifen,
- nicht entwürdigen.
LEITSATZ
kratie wird stärker, wenn Menschen lernen, öffentlich zu streiten, ohne einander zu entwürdigen. In einer Demokratie bleibt die Würde von einem jeden Menschen unantastbar.
